Ortsfrequenz:  145,575MHz
OV-Melsungen, F 36

Laudatio 40-Jahre OV F36, Bodo  DK3EA

 

Liebe Yl´s, Xyl´s, Oms und Gäste,

in meiner Jugend gab es eine Buchreihe „Durch die weite Welt“.

Darin waren Geschichten aus aller Welt, aus der Technik und dem Tierleben, aufbereitet für Jungen und Jugendliche..

In der Ausgabe 1958/59 war auch ein Artikel über Amateurfunk. „Hier ruft DJ2JO“,      es war eine Zeit, als es in der Allgemeinheit die Begriffe Computer, Taschenrechner, Handy, Satellitenfernsehen überhaupt noch nicht gab. Der Artikel hat mich interessiert.

Es wurde beschrieben, wie in der Zeit mit Selbstbaugeräten in CW bis nach Amerika gefunkt wurde und bei sehr guten Bedingungen das auch in Sprechfunk möglich war. In dem Artikel erklärte der Autor auch, dass man die Geräte alle selbst baut und darauf stolz ist. Fang schon einmal mit dem Empfänger an, dann kannst du dem Amateurfunk zuhören.

In deiner Stadt besteht doch sicher auch ein Amateur Radio Club.  Außerdem hilft der DARC seinen Mitgliedern bei der Ausbildung und dem Bau von Geräten.  Wie gesagt, 1959.

Die DARC - Geschäftsstelle war damals noch in Kiel und der nächste Ortsverband war Kassel F12. Also es war noch nichts mit Amateurfunk in und um Melsungen.

Aber ein paar Jahre später kommt Bewegung in das Ganze und zu einem Start für den Amateurfunk im Umfeld von Melsungen.

Denn wir feiern zwar heute das 40 - jährige Bestehen des Ortsverbands F36, aber der Start war schon viel früher.

Im Herbst 1966 wurde durch das Volksbildungswerk Melsungen ein Kursus zur Erlangung der Amateurfunklizenz angeboten. Die erste Infoveranstaltung fand in der Schule in Malsfeld statt und es waren 20 – 25 Interessierte an dem Abend, der mit großem Bahnhof abgehalten wurde, zugegen. Sogar unser Bürgermeister war da.

DL1AP Werner wollte uns in Betriebstechnik, Technik und Gesetzeskunde schulen, Kurt DJ7ER hatte den Part des Morsens übernommen.

Jeden Dienstag war Termin.

Letztendlich waren es 10 -12 Teilnehmer, die sich dieser Strapaze über 2 Jahre unterziehen wollten.

1,5 Jahre ging es auf und ab, auch mit den Teilnehmern, im Tastfunk gab es Einbrüche und die Technik wollte auch nicht in die Köpfe, denn vom Schüler über den Bauern, den Förster und den LKW-Fahrer waren ja alle Berufe vorhanden, aber kein HF Techniker oder etwas Ähnliches.

Ein halbes Jahr vor Prüfungstermin schmiss Werner das Handtuch.

„Die schaffen das sowieso nicht“.

Das wollte DJ7ER Kurt aber nicht akzeptieren und er hat uns weiter gestresst, jetzt allerdings Dienstags in CW und Freitags in Technik. Technik nicht mehr zum Verstehen, sondern zum Auswendiglernen. Klapp Oszillator, Pi-Filter, RC Glieder. Im Schlaf sollten wir das Aufzeichnen können, verstehen war etwas Anderes. Es war eine harte Zeit, aber bis auf Martin hat das Häuflein durchgehalten. Martin hat den Crashkurs auf dem Dörnberg gemacht und hatte ca. 4 Wochen vor uns die Lizenz als DK3BS.

Es war eine harte Zeit für alle Teilnehmer, vor allen Dingen, wenn man die Zusammensetzung des Lehrgangs betrachtet. Der Jüngste war zum Start gerade 13 Jahre alt und Martin war mit 45 Jahren der Älteste.

Die Prüfung fand dann im Oktober 1968 im DGH-Malsfeld statt und von den 10 oder 12 Prüflingen, es waren auch Externe an dem Termin zugegen, gingen 3 von uns leer aus. 2 Anwärter konnten die Prüfung erfolgreich ein paar Wochen später in Frankfurt nachholen. Der Jüngste machte ein Jahr später auf dem Dörnberg auch den Crashkurs mit und konnte aufgrund des sehr guten Abschneidens schon mit 16 die Lizenz DK4FE bekommen. Normalerweise musste man in der Zeit 18 Jahre alt sein.

Ja, und dann fiel alles auseinander. Wir bekamen nach ca. 4 Wochen unsere Rufzeichen und die Teilnehmer schlossen sich den Ortsverbänden Kassel, Witzenhausen, Eschwege oder Knüll an. Der einzige Lichtpunkt war die Station DL0VM, die Klubstation des Volksbildungswerkes in der Schule in Malsfeld. Eine Summercamp Line, einen Ground plane und eine W3DZZ war die stolze Ausrüstung und wurde im Anfang auch rege genutzt. Aber da bald jeder seine Station zu Hause hatte, außer Harald, der zurückstehen musste, wenn ich an meiner Station saß, ließ die Begeisterung bald nach und es stand leider dann eine Leiche in der Schule und nachdem der „Clubraum“ in den Abstellraum für Reinigungsmittel umgewandelt wurde, war das Schicksal der Geräte auch bald besiegelt. Sie wurden nach Spangenberg verlagert und da verlor sich auch die Spur.

Im Sommer 1969 kam dann der Wunsch auf, forciert von Kurt, DJ7ER, einen eigenen OV zu gründen.

Die Versammlung fand im Nebenzimmer im Jägerhof in Malsfeld statt und es waren 11 OM an dem Abend zugegen. Soweit ich mich erinnern kann, waren das

Horst Löwer DK 2 XZ - Bodo Schacht DK3EA - Harald Schacht  DK4FE - Guntram Fischer  DK2OL - Martin Hübschmann DK3BS - Karl Botte DJ 2 BK - Heinrich Körber DK3 LK - Doc. Fendt DL1CD - Charly Anders DJ7 AS - Rainer Mausehund  DK3ZK     und Karl Schmidt DC8LY.

Ich sagte, ich muss mich erinnern, denn es gibt kein Dokument von dieser Gründungsversammlung, weder im Nachlass von Horst noch in dem Archiv des DARC. Was ich nicht so ganz nachvollziehen kann.

Jetzt hatten auch wir einen Ortsverband und einmal im Monat war Treffen in Malsfeld. Man tratschte über Interessante QSOs oder bestaunte die angekommenen Karten, erzählte von neuen Geräten oder Antennen und trank sein Bier. Irgendwann kam dann der Wunsch auf, doch mal an einem Fieldday teilzunehmen.

Der erste Versuch misslang nicht nur.  Es waren auch materielle und körperliche Schäden zu verzeichnen.

Das hielt uns aber nicht davon ab, es im folgenden Jahr wieder zu versuchen.

Wie es gehen sollte, wusste keiner, aber alle machten mit.

Mit Kind und Kegel ein Wochenende im Wald, das war was. Ein Ford Transit, eine GPA 3, eine W3DZZ und ein FT 550 war die Ausrüstung. Der Generator war von einem Handwerker mit viel „Bitte - Bitte“ ausgeborgt. Er hat den Contest zu unserem Übel nicht unbeschadet überstanden.

Es wurden tolle Verbindungen gemacht, wer hatte denn schon von zu Hause Japan oder Australien gearbeitet. Europa war uninteressant, das hatten wir ja alle Tage.

Beim Abbauen waren wir Stolz wie Oskar, was hatten wir alles erreicht, 185 Verbindungen, ganz weite, wir waren Sieger.

Die Prüfer waren anderer Meinung. Platz 21 von 22 Teilnehmern. Leider nur.

Wie sagt man so treffend, Rückschläge können festigen, es ging weiter mit dem Üben.

Bei allem Contestgehabe kam aber auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Familienwanderungen, Exkursionen zur Ham Radio in Friedrichshafen, gesellige Zusammenkünfte im privaten Bereich. Eine feste Runde auf 80 m mit Freunden aus Köln und Aschaffenburg und auch eine ganze Zeit mit den Partnerstädten Evesham und Dreux führten zu einer festen Verbundenheit der OMs und ihrer Familien. Alles das führte natürlich auch zum Zuwachs der Mitglieder. Es kamen Neue aus den Kursen des Herrmann – Schafft - Hauses in Kassel und wir hatten in Spitzenzeiten einen Mitgliederstand von 38 Personen.

Eine große Rolle spielten dabei gerade die Conteste. In den Anfangsjahren waren die Fielddays auch Familientreffen. Die Frauen brachten Kuchen oder andere Sachen und neben dem Funkbetrieb wurde eben gegessen, getrunken, Blödsinn gemacht. Die Kinder spielten zwischen den Antennenmasten und als Resultat der Feierei wurde dann eben auch mal Waschwasser anstelle von Diesel in den Tank des Generators gekippt.

Trotzdem, diese Zeit war notwendig um Antennen zu testen, Geräte und Operateure zu finden. Operateure, das war so etwas. Wir hatten gute, sehr gute und auch naja.

Aber Meister waren wir ja zu Anfang alle noch nicht.

1979 waren wir dann zum ersten Mal Sieger à im Fieldday. Aber noch lange kein Clubmeister.

Das erste Mal Clubmeister wurde F 36 ->1990. Das wurde dann allerdings über einige Jahre zur Serie.

Außer Contest gab es auch noch andere Interessen: PR - RTTY - JV – Fax – Computertechnik, alles war vertreten. Aber wenn von 35 OMs nur die Hälfte QRV ist und von diesen dann 10 Leute für die Contesterei arbeiten, dann bleibt für das Andere nicht viel übrig.

Über all den Aktivitäten hat einer gestanden, einer der den Ton angegeben hat, der bestimmt hat, wo es langgeht. So bestimmt hat, dass es auch manchmal wehgetan hat und der eine oder andere sich in den Schmollwinkel zurückgezogen oder sogar den OV verlassen hat.

Aber das muss gesagt werden, wenn DK2XZ Horst nicht so viel Zeit, Geld und Energie in das Hobby  Contest, nicht Amateurfunk, gesteckt hätte, wäre F 36 nicht so oft Deutscher Meister geworden.

Was bleibt noch zu sagen. Einige Mitglieder sind in der Zeit von uns gegangen, sie haben Silent Key gemacht. Ich erinnere an  Martin, Horst, Doc Karl Heinz, Willy.

Die großen Zeiten sind vorbei. Die Akteure sind alt und älter geworden. Die Strapazen eines Fielddays oder eines 48 Std. Contest tut sich keiner mehr an und so sind wir wieder da, wo wir mal angefangen haben.

Wir treffen uns monatlich, freuen uns über schöne QSL Karten, reden über neue Geräte oder neue Betriebsarten, trinken unser Bier und fahren zufrieden wieder nach Hause, wo zwar eine tolle Station steht, die aber längst nicht mehr so oft aktiviert wird wie früher. Handy, Computer, Internet, SAT Fernsehen haben uns eingeholt und die Faszination Amateurfunk ist auf junge Menschen längst nicht mehr so zu übertragen, wie es in unseren Anfängen war.

Ich wünsche uns trotzdem noch viele QSOs, viele schöne und interessante Verbindungen, vielleicht in den neuen Betriebsarten wie PSK 31 oder Digitalfunk, aber vor allen Dingen haben wir immer noch viel Spaß bei unserem Hobby.

Danke für die Aufmerksamkeit

Bodo, DK3EA